Wacker Chemie hält am Kapazitätsaufbau fest


31.01.12 16:09
aktiencheck.de EXKLUSIV

München (aktiencheck.de AG) - Die Wacker Chemie AG (ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888) ist ein weltweit operierender Chemiekonzern mit Hauptsitz in München, der mehrheitlich von der Familie Wacker kontrolliert wird. Der Konzern betreibt 26 Produktionsstandorte in Europa, Amerika und Asien und vertreibt seine Produkte in über 100 Ländern.

Die Aktivitäten der fünf Geschäftsbereiche der Wacker Chemie AG basieren auf zwei Hauptrohstoffen Ethylen und Silicium. Die Sparte Siltronic beliefert den Halbleitermarkt mit Wafern und die Sparte Polysilicon erzeugt hochreines Polysilizium als Vorstufe für die Siltronic und für den Solarmarkt. Silicones bedient Endmärkte in den Bereichen Bauindustrie, Automobil, Farben und Lacke, Textilien und Papier. Ausgehend von Ethylen erzeugt die Sparte Polymers die Zwischenstufen VAM (Vinylacetat Monomer) und VAE (Vinylacetat-Ethylen) und bedient unter anderem die Bauindustrie mit Dispersionspulvern und Dispersionen. Biosolutions konzentriert sich schwerpunktmäßig auf biotechnologisch hergestellten Produkte.

aktiencheck.de EXKLUSIV führte ein kurzes Interview mit Herrn Christof Bachmair, dem Pressesprecher der Wacker Chemie AG.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Das vierte Quartal ist genauso wie das gesamte Geschäftsjahr 2011 für Ihren Konzern enttäuschend ausgefallen. Vor allem das Q4-EBITDA war ohne einen unerwarteten Einmaleffekt von 65 Mio. EUR fast schon katastrophal gewesen. Vor allem die schwache Nachfrage nach Solar- und Halbleiter-Produkten wirkte belastend, aber auch Ihr Chemie-Geschäft entwickelte sich überraschend negativ. Im Jahresverlauf 2012 erwarten Sie allerdings im zweiten Halbjahr eine deutliche Nachfrageerholung v.a. in der Siltronic-Sparte sowie eine allmähliche Verbesserung des gesamten Geschäfts der Wacker Chemie AG. War das schwache Jahr 2011 auf ein strukturell schwieriges Umfeld in der gesamten Chemie-Branche zurückzuführen oder haben hier vor allem die kurzfristigen, negativen Effekte eine bedeutende Rolle gespielt? Können Sie zum Jahresanfang 2012 schon die ersten Anzeichen einer Besserung erkennen?

Wacker Chemie: 2011 war insgesamt ein gutes Jahr für Wacker. Immerhin haben wir auf das Gesamtjahr gesehen unseren Umsatz leicht gesteigert und unser operatives Ergebnis liegt nahe am hohen Vergleichswert des Vorjahres. In den ersten neun Monaten hat sich unser Geschäft gut entwickelt, aber das 4. Quartal ist in der Tat sehr schwach ausgefallen.

Der stärker als von uns erwartete Nachfragerückgang im Halbleiter- und Solargeschäft ist der Grund dafür, dass die Zahlen des 4. Quartals hinter unserer Einschätzung zurückgeblieben sind. Außerdem haben eine Reihe von Sondereinflüssen unser EBITDA im 4. Quartal per Saldo um 15 Mio. EUR gemindert.

In den ersten Wochen des Jahres 2012 hat die Kundennachfrage wieder an Fahrt gewonnen. Zwar sind im Halbleitergeschäft die Preise weiterhin rückläufig, aber sowohl in den Chemiebereichen als auch bei Halbleiterwafern und Polysilicium verzeichnen wir im Vergleich zum 4. Quartal 2011 gegenwärtig steigende Absatzmengen.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Die Bundesregierung will die Solarstrom-Förderung weiter kürzen. Die Aussicht auf weitere Einschnitte könnte den Druck auf die Solarbranche noch verstärken, da solche Maßnahmen die Nachfrage belasten und den Preisdruck erhöhen. Birgt der Solar-Sektor in den kommenden Quartalen die größten Risiken für die Geschäftsentwicklung Ihres Konzerns?

Wacker Chemie: Bei Polysilizium für die Solarindustrie werden sich die Preise infolge des Kapazitätszuwachses auf ein anderes, niedrigeres Niveau einpendeln. Wir gehen deshalb davon aus, dass die EBITDA-Marge in diesem Segment von einst 50% auf mittlere Sicht unter 40% fällt. Man darf sich beim Thema Photovoltaik aber nicht zu sehr von der Diskussion in Deutschland leiten lassen. Man muss es globaler sehen. Wir erwarten, dass der Markt weltweit weiter wächst, aber nicht mehr in Deutschland. Die Wachstumsmärkte für erneuerbare Energie sind künftig u.a. China und die USA.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Als Folge eines angespannten Marktumfeldes im Halbleiter-Geschäft haben Sie sich entschlossen, ihren japanischen Produktionsstandort Hikari Mitte 2012 zu schließen. Diese Werkschließung ist als ein Teil Ihrer Strategie anzusehen, die Produktionskapazitäten für 200-mm-Wafer zu straffen. Wird der Konsolidierungsprozess in der Solarindustrie die Wacker Chemie AG demnächst zu weiteren Rationalisierungsmaßnahmen zwingen?

Wacker Chemie: Wir sehen uns als einer der führenden Hersteller von Solarsilicium gut im Wettbewerb positioniert. In Sachen Qualität und Herstellungskosten stehen wir weltweit mit an der Spitze. Vor diesem Hintergrund werden wir auch weiterhin unsere Investitionen auf hohem Niveau halten. Wir planen unseren Kapazitätsaufbau unverändert. Wir erwarten, dass wir 2014 eine Gesamtkapazität für Polysilizium von 70.000 Tonnen einschließlich unseres neuen US-Standorts Tennessee haben werden. Derzeit liegt die Kapazität bei 42.000 Tonnen.

aktiencheck.de EXKLUSIV bedankt sich für dieses Interview und wünscht der Wacker Chemie AG weiterhin viel geschäftlichen Erfolg. (31.01.2012/ac/e/i)






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