H&R Gesamtnachfrage nach Produkten konstanter als bei vielen anderen Unternehmen der chemischen Industrie


13.09.11 10:22
aktiencheck.de EXKLUSIV

Salzbergen (aktiencheck.de AG) - Die H&R AG, ein in der Entwicklung und Herstellung chemisch-pharmazeutischer Spezialprodukte auf Rohölbasis und in der Produktion von Präzisions-Kunststoffteilen tätiges Spezialchemie-Unternehmen aus dem niedersächsischen Salzbergen, konnte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2011 mit einem Rekordergebnis aufwarten. Der Umsatz legte gegenüber dem Vorjahreswert um 10,7% auf 595,3 Mio. EUR zu und das operative Ergebnis (EBITDA) verbesserte sich auf 56 Mio. EUR. Der Konzernüberschuss nach Anteilen Dritter stieg auf 28,8 Mio. EUR. Trotz eines etwas schwächer erwarteten dritten Quartals hält die H&R AG das Erreichen eines EBITDA-Werts von 90 Mio. bis 100 Mio. EUR im Gesamtjahr 2011 EUR nach wie vor für realistisch.

aktiencheck.de EXKLUSIV führte ein kurzes Interview mit Herrn Christian Pokropp von der Investor Relations-Abteilung der H&R AG.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Das Halbjahresergebnis der H&R AG war vor allem durch das starke Auftaktquartal 2011 geprägt. Im zweiten Quartal haben die Preiserhöhungen zwar für einen Umsatzzuwachs gesorgt, doch die Verteuerung wichtiger Rohstoffe hat Ihr operatives Ergebnis stark unter Druck gebracht. Die wieder aufkeimenden Rezessionsängste lassen die Rohstoffpreise zwar wieder etwas fallen, doch gleichzeitig trübt die Konjunkturabkühlung die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven für die kommenden Quartale ein. Wo sehen Sie zurzeit die größten Risiken für die Geschäftsentwicklung Ihrer Gesellschaft? Wie gut ist die H&R AG auf das Szenario einer spürbaren Weltkonjunkturabkühlung vorbereitet?

H&R: In der Tat war unser Auftaktquartal 2011 mit einem operativen Ergebnis (EBITDA) von 34,7 Mio. EUR außergewöhnlich stark: In diesem Zeitraum konnten wir bei steigenden Produktpreisen zunächst noch auf günstigerer Basis eingekaufte Rohstoffe verarbeiten. Zu Beginn des 2. Quartals verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für uns jedoch: Im Handelsverlauf des 8. Aprils erreichten die Rohölnotierungen einen Wert von 126,90 USD und damit den höchsten Stand seit August 2008. Auch in den Folgewochen gaben die Notierungen kaum nach - entsprechend stark verteuerte sich unser rohölbasierter Einsatzstoff. Erst im Mai kam es zu einer leichten Entspannung an den Rohölmärkten.

Planmäßige Wartungsstillstände an unserem größten Produktionsstandort in Hamburg führten zudem dazu, dass auch die Mengen hinter denen des 1. Quartals zurückblieben. Vor diesem Hintergrund ist das im 2. Quartal erzielte operative Konzernergebnis von 21,4 Mio. EUR ein beachtlicher Erfolg.

Eine Abkühlung der Weltkonjunktur würde auch an der H&R AG nicht spurlos vorbeigehen. Durch den hohen Diversifikationsgrad, sowohl auf Produkt- als auch auf Kundenebene ist die Gesamtnachfrage nach unseren Produkten aber konstanter als bei vielen anderen Unternehmen der chemischen Industrie. Einen risikodämpfenden Effekt hat auch der Umstand, dass viele unserer insgesamt etwa 800 unterschiedlichen rohölbasierten Spezialitäten in über 100 verschiedenen Abnehmerindustrien Anwendung finden: So werden z.B. unsere hochwertigen Paraffine u.a. in der Kerzen-, Baustoff- und Lebensmittelindustrie eingesetzt - Branchen mit sehr unterschiedlichen Konjunkturzyklen.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Mit der Herstellung von Weißölen bedient Ihre Gesellschaft eine Nische auf dem Markt für chemisch-pharmazeutische Produkte. Dieses Geschäft ist logischerweise stark von der Ölpreisentwicklung abhängig. Obwohl Sie die langfristigen Preisänderungen an Ihre Kunden weitergeben können, werden Ihre Ergebnisse durch sehr volatile Einkaufspreise dennoch verzerrt. Welches Ölpreisniveau erachten Sie als optimal für Ihr Geschäft? Kann die H&R AG diese Abhängigkeit überhaupt mit irgendwelchen Instrumenten oder Maßnahmen zumindest etwas minimieren?

H&R: Weißöl ist wie bereits erwähnt nur eines von zahlreichen Produkten, die wir herstellen und vermarkten. Es ist jedoch richtig, dass alle unsere Produkte auf einem rohölbasierten Einsatzstoff basieren. Zu einer temporären Belastung der Produktmargen kommt es daher in der Regel in Phasen steigender Rohstoffpreise, da wir diese nur mit zeitlichem Verzug in höhere Produktpreise umsetzen können. Das absolute Preisniveau ist weniger entscheidend als die Volatilität. Ein relativ stabile und kalkulierbare Preisentwicklung ist für alle Marktteilnehmer von Vorteil. Für unsere Produkte gibt es keinen Futures-Markt, so dass eine Preissicherung für uns nicht möglich ist.

aktiencheck.de EXKLUSIV: 2011 soll nach Ihren eigenen Aussagen ein Übergangsjahr sein, in dem Sie auch etwas schwächere Gewinne nicht ausschließen wollten. Die langfristigen Aussichten für Ihr Geschäft bewerten Sie jedoch positiv, wozu auch der sich abzeichnende Turnaround in der Kunststoffsparte und die Großinvestition in eine neue Propanentasphaltierungsanlage beitragen sollen. Welche langfristige Wachstumsstragie verfolgt die H&R AG? Wollen Sie in erster Linie aus eigener Kraft wachsen oder sind Sie auf absehbare Zeit auch an sinnvollen Akquisitionen interessiert?

H&R: In unseren inländischen Raffinerien konzentrieren wir uns darauf, zurzeit noch im Produktionsprozess anfallende Rückstände in hochwertige rohölbasierte Spezialitäten umzuwandeln. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist die mittlerweile fertig gestellte Propanentasphaltierungsanlage in Hamburg. Weitere Projekte, die in die gleiche Richtung zielen, sind bereits in Planung. Im internationalen Bereich zielt unsere Strategie darauf ab, neue Auslandsmärkte zu erschließen und unser Produktportfolio an den bestehenden Standorten weiter zu diversifizieren. Dafür sind neben kleineren Akquisitionen auch weitere Produktionspartnerschaften mit lokalen Partnern möglich.

aktiencheck.de EXKLUSIV: Investitionen in zukünftiges Wachstum kosten zunächst mal Geld. Welche Finanzierungsmöglichkeiten würde die H&R AG in dieser Hinsicht vorziehen? Vielleicht stellt sich diese Frage im Hinblick auf die derzeitige Kapitalausstattung und die Liquiditätslage Ihrer Gesellschaft auch gar nicht?

H&R: Unser Unternehmen ist mit einer Eigenmittelquote von derzeit rund 38% solide finanziert. Wesentliches Fremdkapitalinstrument ist ein Konsortialkredit mit einer Finanzierungslinie von bis zu 250 Mio. EUR, die wir zurzeit nicht vollständig nutzen. Zudem kommen wir in den Genuss eines Förderprogramms der KfW, die Unternehmen für den Bau von umweltfreundlichen Anlagen Kapital zu günstigen Konditionen langfristig zur Verfügung stellt.

aktiencheck.de EXKLUSIV bedankt sich für dieses Interview und wünscht der H&R AG weiterhin viel geschäftlichen Erfolg. (13.09.2011/ac/e/i)






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