DAX an den Börsen herrscht Optimismus - ein Grund zur Vorsicht


22.02.12 09:20
aktiencheck.de EXKLUSIV

Würzburg (www.aktiencheck.de) - Die Experten vom "DaxVestor" haben einen Beitrag zum DAX veröffentlicht.

Nachfolgend finden Sie den genauen Wortlaut des Berichts:

An eine Eskalation der Eurokrise glaubt an den Börsen derzeit kaum noch jemand – jedenfalls bestimmen die Optimisten durch ihre Aktienkäufe die Kursentwicklung. Das mag auch daran liegen, dass die Pessimisten schon im letzten Herbst verkauft haben und zumindest nicht auf der Verkäuferseite zu finden sind. Zu Wochenbeginn ging es daher an den Börsen anfangs weiter nach oben und der DAX kratzte an der Marke von 6.950 Punkten.

Das liegt am derzeit vorherrschenden und an den Börsen eingepreisten positiven Szenario: 1. Griechenland wird gerettet - vorerst. 2. Beim G20- Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs ab Freitag wird der Weg zu einer Aufstockung der Mittel für den IWF bereitet. Und 3. Die Chinesen werden sich am Rettungsfonds für Europa beteiligen. Wer an dieses Szenario glaubt, der kauft Aktien, denn nirgendwo sonst gibt es die Aussicht auf vergleichbare Renditen.

Doch dass es bei diesem Szenario auch Fehlschläge geben kann, brauche ich Ihnen vermutlich nicht zu sagen. Trotzdem: Auch wir rechnen damit, dass für Griechenland zumindest Zeit erkauft werden kann. Aber blickt man die Straße abwärts, dann gibt es genügend Grund zur Sorge. Was kommt bei den Wahlen in Griechenland heraus? Was wird aus der Achse Paris-Berlin, wenn es zu einem Wechsel im Elysée-Palast kommt? Das ist alles unsicher. Wie wir aber in den letzten Monaten immer wieder betont haben: Die Weltkonjunktur stabilisiert sich und wird ab der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen.

Dafür sprachen auch die Konjunkturdaten, die in der letzten Woche veröffentlicht wurden. Vor allem die US-Wirtschaft kann nach Jahren der Rezession und Stagnation wieder positive Impulse geben. Sogar die Lage am Immobilienmarkt in Nordamerika hat sich stabilisiert - und das ist sehr wichtig für die Verbraucher und für die Wirtschaft. Von den wenigen US-Konjunkturdaten sind daher die Zahlen zu den Verkäufen bestehender und neuer Häuser am Mittwoch und Freitag besonders interessant.

Hoffnung machen aber nicht nur die USA, sondern auch China. Die People's Bank of China hat die Mindestreservepflicht für die Banken am Samstag gesenkt und war damit hauptverantwortlich für den positiven Start in die neue Börsenwoche. Sie wird voraussichtlich in den nächsten Monaten weiter die geldpolitischen Daumenschrauben lockern. Damit scheint es Peking wieder einmal zu gelingen, den chinesischen Wirtschaftstanker auf Kurs zu halten. Die Preisentwicklung am Immobilienmarkt, die 2009 und 2010 außer Kontrolle zu geraten drohte, hat sich beruhigt, ohne dass es zu einem Kollaps kam. Sicher, in China gibt es immense Risiken, die das fragile Gleichgewicht in Wirtschaft und Gesellschaft gefährden, im Moment scheinen diese Risiken aber unter Kontrolle.

Es gibt aber einen weiteren wichtigen Grund für den Kursanstieg der letzten Wochen und den sollten gerade diejenigen nicht vergessen, die derzeit vorn einer "liquiditätsgetriebenen Rally" sprechen: Die Quartalszahlen der Unternehmen fielen überwiegend positiv aus, gerade in den USA, aber auch in Deutschland. Die Unternehmen sind weiterhin auf Kurs, auch wenn sich in vielen Märkten das Wachstumstempo abgekühlt hat.

In dieser Woche werden auch sechs DAX-Unternehmen ihre Geschäftszahlen für das vierte Quartal und für 2011 insgesamt bekannt geben. Neben Commerzbank und BASF sind dies FMC (ISIN DE0005785802 / WKN 578580), Fresenius, Allianz und Deutsche Telekom. Besonders bei BASF ist derzeit auch charttechnisch Musik drin, denn die Aktie ist fulminant über den Widerstand bei 62 Euro gestiegen.

Derzeit scheint alles eitel Sonnenschein. Doch es kann auch wieder Rückschläge geben, dafür braucht es nur eine neue Hiobsbotschaft. Vielleicht kommt die auch aus einer unvermuteten Richtung, z.B. von einer Eskalation der Lage im Nahen Osten und einem stark steigenden Ölpreis. Die Marke von 7.000 Punkten wird der DAX bald erreichen, doch ich rechne nicht damit, dass dem Index gleich der Anstieg über die starke Widerstandszone bei 7.000/7.100 Punkten gelingt. Trader sollten bei Long-Positionen Gewinne mitnehmen oder den Stopp eng nachziehen. (Ausgabe vom 21.02.2012) (22.02.2012/ac/e/k)






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